Altlußheim: Pläne für den Campingplatz beim Blausee vom Tisch

Das als Campingplatz vorgesehene Gelände beim Blausee wird regelmäßig mit Druckwasser überflutet, hier z. B. nach einem kleineren Rheinhochwasser im Dezember 2012. Es hat daher einen hohen ökologischen Wert. Foto: Norbert Korn

Die Gemeinde Altlußheim plant einen Campingplatz beim Blausee und lässt dafür einen Bebauungsplan aufstellen. Der Campingplatz soll von Ostern bis Oktober betrieben werden und in erster Linie mobilen Campern zur Verfügung stehen. Dauercampen bzw. Dauerwohnen sowie das Abstellen von Wohnwägen über das ganze Jahr sind derzeit (noch) nicht vorgesehen.

Wir und die NABU-Gruppe Hockenheim lehnen diese Planung entschieden ab, denn mit der Ansiedlung eines Campingplatzes soll ein weiteres Stück der Kulturlandschaft in der Rheinniederung einer saisonalen Freizeitnutzung geopfert werden.

Der Einheitliche Regionalplan Rhein-Neckar, der seit dem 15.12.2014 rechtsverbindlich ist, weist den Bereich um den Blausee als „Vorranggebiet für Naturschutz und Landschaftspflege“ aus. In solchen Vorranggebieten steht der Naturschutz an erster Stelle. Zur Sicherung der biologischen Vielfalt sollen hier die Lebensräume und Lebensgemeinschaften heimischer Pflanzen und Tiere erhalten und entwickelt werden. Die Errichtung eines Campingplatzes bewirkt genau das Gegenteil und ist damit mit den Vorgaben des Regionalplans nicht vereinbar.

Der Blausee und sein Umfeld gehören zum europaweiten Schutzgebietsnetz Natura 2000, das aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten besteht. Der Badebetrieb am Blausee findet zwar im Natura 2000-Gebiet statt, im zeitigen Frühjahr, bei schlechtem Wetter und allgemein nach 20 Uhr ist das Gebiet aber weitgehend ungestört. Der Campingplatz soll einen Zugang zum See erhalten und bereits ab Ostern bei jedem Wetter genutzt werden. Damit gäbe es kaum noch störungsfreie Zeiten, was im Widerspruch zu den Zielen des Natura 2000-Gebiets steht.

Der Bereich des geplanten Campingplatzes umfasst eine Nasswiese und einen Acker, die bei Rheinhochwasser oft mit Druckwasser überflutet werden. Daher hat dieser Bereich einen hohen ökologischen Wert, der unwiederbringlich verloren ginge. So ist in nassen Jahren mit der Nutzung der überfluteten Wiese durch verschiedene Amphibienarten zu rechnen. In der Ackerfläche können bei großen Rheinhochwassern flache Druckwassertümpel entstehen, die für sog. „Urzeitkrebse“ wie den Sommer-Kiemenfuß (Triops cancriformis) und den Linsenkrebs (Limnadia lenticularis) lebenswichtig sind.

Darüber hinaus würde ein Campingplatz das Landschaftsbild entwerten und auf diese Weise eines der wichtigsten Naherholungsgebiete in Altlußheim beeinträchtigen. Auch das steht im Konflikt mit dem Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar, in dem das Gebiet als „Bereich mit besonderer Bedeutung für die Naherholung“ ausgewiesen ist.

Stellungnahme zum geplanten Campingplatz

Stellungnahme zum Bebauungsplan „Campingplatz“ im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange:

Bebauungsplan „Campingplatz“ – Stellungnahme BUND, NABU und LNV (PDF)



Beachten Sie: Es handelt sich hierbei um den Newsletter des BUND-Landesverbands Baden-Württemberg.

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